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Naked Citizens

Ich habe mir letzte Woche ein neues Mobiltelefon gekauft. Zeit, mir mal wieder einige Gedanken über die Nutzung von Internet-, Social Media- und sonstigen Diensten zu machen, die zur Überwachung von persönlichen Daten missbraucht werden können. Der rund 30 minütige Film, präsentiert von journeyman.tv, lässt einem mal wieder bewusst werden, welchen ungeheuren Aufwand unser Bewusstsein tagtäglich betreibt, nur damit wir ruhigen Gewissens das Smarphon, den Laptop und die Statusmeldung auf Facebook nutzen können. Nicht zu vergessen die enormen Fortschritte, die in den Technologien zur Videoüberwachung von öffentlichen Räumen gemacht werden. Wir sehen sie die ganze Zeit, aber es ist einfacher nicht zu fragen, was da genau passiert. Wahnsinn, was alles in 30 Minuten passt!

 

Kleiner Tipp: Wer sich nicht mit der eigenen Internetnutzung auseinandersetzen will und für wen Überwachung immer nach Verschörungstheorie klingt, der soll lieber die blaue Pille schlucken, den Kaninchenbau verlassen und den Clip einfach übersehen.

 

Danke den Sozialtheoristen.de für den Link.

Philokantine

Endlich ist es soweit! Am 9. und 16. Juni 2013 werden die ersten zwei Philokantinen im Restaurant Jazzkantine stattfinden. In der ersten Veranstaltung am 9.6. (14-16 Uhr) wird der Philosoph Rayk Sprecher mit dem Kabarettist Michael Elsener über Humor diskutieren. Es soll geklärt werden, was Humor überhaupt ist, warum wir etwas lustig finden und anderes nicht und warum man beim Schreiben eines humoristischen Textes nicht selbst lachen muss. Während der offenen Diskussion, an dem das Publikum immer eingeladen ist mitzudiskutieren, wird Anja Wicki ihren Beitrag in Form einer Live-Illustration darbieten. In der darauffolgenden Woche, am 16.6. (14-16 Uhr), wird Yves Bossart mit Manuel Troller (Gitarrist), Felix Pfäffli (Grafiker) und Mathis Pfäffli (Künstler) in ähnlicher Weise versuchen zu erfassen, was Kunst ist, welchen Sinn sie verfolgt und wie sich die Produktion von Kunst vollzieht. Ebenso wird Anja Wicki das Gespräch liveillustrieren. Ein ganz spezielles Zückerchen wird eine Improvisation zwischen Musik und Illustration sein, in dem nonverbale Kommunikation live und in Echtzeit beobachtet und erlebt werden kann.

 

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Netzdetektor #3

Längere Zeit gab’s nichts zu hören vom Philoblog. Im neuen Netzdetektor lassen sich dafür einige Schmankerl finden. So etwa das Video zu Protest, Mitte und Masslosigkeit das aus dem Jahr 2010 stammt aber dennoch sehr sehenswert ist. Der Gegenstand der Debatte, also die Protestformen des Wutbürgertums und die Masslosigkeit der Ausgeschlossenen, hat grosse Parallelen zum Denken der derzeit medial äusserst präsenten Hannah Arendt. Bei diesem dreht sich vieles um die die Bereiche Öffentlichkeit, Sprechen als Hanlungsakt, Demokratie und das Wagnis dieser Öffentlichkeit. Letzteres erscheint mir als sehr fruchtbar, wenn es um Protestbewegungen geht. “Wir fangen etwas an; wir schlagen unseren Faden in ein Netz der Beziehungen. Was daraus wird, wissen wir nie. Wir sind alle darauf angewiesen zu sagen: Herr vergib ihnen, was sie tun, denn sie wissen nicht, was sie tun. Das gilt für alles Handeln. Einfach ganz konkret, weil man es nicht wissen kann. Das ist ein Wagnis. Und nun würde ich sagen, daß dieses Wagnis nur möglich ist im Vertrauen auf die Menschen. Das heißt, in einem – schwer genau zu fassenden, aber grundsätzlichen – Vertrauen auf das Menschliche aller Menschen. Anders könnte man es nicht”. Hier ein Gespräch mit Hannah Arend und Günter Gaus.

Ein Thema, dass im Gegensatz zu vielen Protesten nur marginal in der Öffentlichkeit angekommen ist, das ist die Transformation der Kriegsführung, die in den letzten Jahren, u.a. auch unter der Führung Barack Obamas stattgefunden hat. Der Sicherheitspolitik-Blog thematisiert in einer sehr lesenswerten Reihe die ethische Dimension von Drohnen. Da Drohnen schliesslich Maschinen sind, könnten einige philosophische Überlegungen und Einbettungen kaum schaden. In der Sendung Philosophie von Raphael Enthoven waren Maschinen das Thema der Woche. “Das Paradox der Maschine besteht darin, ein Erzeugnis des Menschen zu sein und zugleich die Enthumanisierung der Welt zu betreiben. So wie der Mensch, der sich von Gott abgewandt hat, mächtiger als sein Schöpfer wird, kann auch die als Werkzeug des Menschen konzipierte Maschine sich diesem gegenüber verselbstständigen und maßlose Kräfte entwickeln.” (Das Video ist nur diese Woche zu sehen!). Auf dem Theorieblog wurde ausserdem ein Artikel gepostet, der sich mit der Post-Privacy-Debatte befasst und in dem der Schutz der Privatsphäre im Internet in Frage gestellt wird.

Abschliessen sollen diesen Netzdetektor einige Beiträge zu Hugo Chavez’ Tod. Im New Yorker wurde ein Postscriptum für ihn verfasst und auf dem World Policy Blog wird Chávez’s Legacy of Violent Rhetoric thematisiert. Auf demselben Blog fand ich ausserdem einen Beitrag zur Frage, wie die Aussichten auf eine erfolgreiche Weiterführung des Chavismus in Venezuela stehen. Schliesslich äussert sich Robert Valencia, der Autor dieses Blogbeitrags hier auch noch in einem Video auf seinem Blog My Humble Opinion.

Gibt es zu den Themen noch spannende weitere Beiträge und Links? Wir freuen uns auf Anregungen und  Kommentare.

Netzdetektor #2

Aus aktuellem Anlass befasst sich der neue Netzdetektor mit dem immer wieder aufkommenden Thema des Sexismus’. Angestossen wurde die Debatte durch eine ‘kleinen Witz’ des deutschen Politikers Rainer Brüderle. Im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen wird das Geschehen kurz zusammengefasst. Als Reaktion darauf fragt der Cicere: “Sind wir nicht alle ein bisschen Brüderle?” und reiht sich damit in die lange Tradition ein, in sexistischen Äusserungen auch eine Mitschuld der Frau zu suchen. “Wer um Mitternacht an die Bar geht, weiß, dass jetzt andere Regeln gelten und ein Spiel gespielt wird, bei dem man auch verlieren kann.”

Diese Debatte wurde von zahlreichen Talkshows und Blättern aufgenommen, in denen die immergleichen Leute das immergleiche sagen. PhilosophInnen gehen das Ganze mal lieber aus etwas Distanz an und machen die Unterscheidung von Mann und Frau grundsätzlich zum Thema der Sexismusdebatte. In den Sternstunden Philosophie tun dies die Hirnforscherin Anelis Kaiser und der Philosoph Dominique Kuenzle und fragen dabei “Denken Frauen anders?”.

Wer sich gerne einen Überblick über den Feminismus verschaffen möchte, der ist mit dem CRE Blog Folge 196 sehr gut bedient. Ausserdem haben Doktor Köbel und Herr Breitenbach den Sexismus zum Thema ihres unglaublich spannenden und für mich einer der besten Podcasts gemacht. Wer interessiert an Gesellschaftswissenschaften und Philosophie ist, für den ist der Soziopod ein muss, meiner Ansicht nach.

Wer sich durch diese Links durchklickt bemerkt schnell, welch zentrale Bedeutung das Werk Judith Butlers dabei einnimmt. Hier lässt sich ein Gespräch zu Butlers “Das Unbehagen der Geschlechter” finden, in welchem in das Denken der cleveren Frau eingeführt wird. An Butler anschliessend forscht auch der von mir sehr geschätzte Stefan Hirschauer. Mit seinen sehr inspirierten und inspirierenden Ansätzen kratzt er immer wieder am Mainstream. Hier zum Beispiel schreibt er über sexistische Nebenwirkungen der universitären Frauenförderung.

Schliesslich geht es in der Diskussion um Sexismus und Geschlechterfragen immer wieder um Anerkennung. Daher hier noch ein Link zu einem Interview mit Axel Honneth, dem wohl wichtigsten Anerkennungs-Theoretiker im deutschsprachigen Raum.

Schliesslich habe auch ich mich bereits mit der Geschlechtlichkeit auseinander gesetzt. Vor einiger Zeit habe ich eine soziologische Studie durchgeführt, die sich mit den Geschlechterverhältnissen im Feld der Jazzmusik auseinandersetzt. Einen kürzeren Artikel dazu (unter Martin Wyss) und weiter Literatur findet ihr hier.

Viel Spass beim durchklicken und mithören. Ich freue mich über eure Kommentare.

Tarde zum Ersten. Die Subjektivität der Ökonomie.

„Nehmen wir einmal an, Karl Marx hätte Das Kapital veröffentlicht, ohne dass es von irgendjemandem beachtet worden wäre. Ein Jahrhundert später würde man es wiederentdecken und wäre verblüfft über Umfang und Wagemut eines vereinzelt dastehenden, unverstandenen Werks, das ohne wissenschaftliche, politische, gesellschaftliche Auswirkungen geblieben wäre“1. Wie wäre das 20. Jahrhundert verlaufen, hätte das 1902 von Gabriel Tarde veröffentlichte Buch Psychologie économique die Stellung von Marx’ Werk eingenommen?

Der folgende Beitrag ist der erste einer Reihe, in der ich im Anschluss an Latours und Lépinays Einführung in die ökonomische Anthropologie Gabriel Tardes, das oftmals verstörende und an vielen Stellen verwirrende Denken des französischen Soziologen und Sozialpsychologe vorstellen werde. Ich bin davon überzeugt, dass besonders in Zeiten, in denen die Krisenereignisse nicht vielfältig genug beschrieben werden können, das grundlegende Überdenken der Ökonomie kaum zu überschätzenden Wert hat. Angefangen bei der Auffassung, dass die Ökonomie als eigenständiger Bereich überhaupt existiert. Genau das bestreitet Tarde und fragt grundsätzlich danach, wofür der „erstunliche Begriff der politischen Ökonomie, der im 18. Jahrhundert aufgestaucht ist und sich im 19. weiter verbreitet hat“2 überhaupt steht. In diesem Beitrag werde ich mich dem ersten Kapitel annehmen, indem die These aufgestellt wird, dass die Ökonomie höchst subjektiv und gerade deshalb quantifizierbar ist.

(Continued)

Netzdetektor #1

Wie ihr sicher wisst, bin ich ein blutiger Blog-Neuling. Um euch nicht unnötig mit Internetmüll vollzuladen, habe ich in den vergangenen Monaten das aufmerksame Bloglesen intensiviert und versucht herauszufinden, was mich persönlich an Blogs spannend dünkt. Natürlich werden die ersten Beiträge dennoch auf wackeligen Beinen stehen; aber ich hoffe, ich kann trotzdem einige Leser_innen finden, die dem Bambi beim Laufenlernen zusehen und ihm dabei mit Rückmeldungen und Kommentaren zur Hilfe stehen.

Beim Netzdurchstöber bin ich auf einen Beitrag des Soziologen Jo Reichertz auf dem SozBlog gestossen. Er wurde eingeladen, im Zeitrahmen von zwei Monaten zu einem frei wählbaren Thema zu boggen. Da er offenkundig nur marginale Erfahrungen mit diesem Medium hat, stellte er in seinem ersten Beitrag die steile These auf, dass das Bloggen Zeitverschwendung für Schreiber und Leser_innen ist. die promt heftige Reaktionen der Leser_innen hervorrufte. Für mich war diese Debatte äusserst spannend zu verfolgen und ich will sie euch nicht vorenthalten. Hier der Link zum Blogbeitrag.

Meine Vorliebe für Slavoj Zizek werde ich gar nicht versuchen zu verbergen. Zur Einführung, einfach mal für ein gewisses Gefühl für die Explosion Zizek zu bekommen, hier ein hübsches Protrait. “Es ist gut, wenn Bücher verbrennt werden. Das gibt der Kreativität einen Schub.” Das ist oberflächlich Provokativ, aber die Suche nach der eigentlichen Aussage darunter kann unheimlich ergreifend sein.

Wie sicher einige von euch wissen, hat George Lucas, der Star Wars Macher, das Konzept der “used future”, einer Zukunft mit einer Vergangenheit, geprägt. Im Dart-Throwing Chimp Blog wird dieses Konzept in Bezug auf die Staatlichkeit diskutiert. Wenige Zeit später wurde nochmals darauf eingegangen und zwar in Bezug auf die ägyptische Verfassung.

Eine Reflexion über das Phänomen des Amoklaufs verfasst Marco Gerster auf dem Sicherheitspolitik-Blog. Besonders bemerkenswert finde ich die Idee des souveränen Willen zum Bösen, der autotelische Gewalt als solche akzeptieren soll. Sehr lesenswerter Blog!

Zum Abschluss noch eine Lektion in Sachen Vertrauen!

Der Netzdetektor ist immer eine kleine subjektive Auswahl aus der Flut von Netz-Beiträgen. Sicher gibt es unzählige weitere spannende Texte, Videos oder Tonaufnahmen. Wir freuen uns über Ergänzungen, weitere Links und Kommentare.